Headless Commerce: Was es ist und wann es sinnvoll ist
Headless Commerce ist eines der meistdiskutierten Konzepte im E-Commerce. Doch hinter dem Buzzword steckt eine konkrete architektonische Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen. In diesem Artikel erklären wir verständlich, was Headless bedeutet, wann es sinnvoll ist – und wann nicht.
Was bedeutet "Headless"?
Bei einem traditionellen ("monolithischen") Shopsystem sind Frontend (was der Kunde sieht) und Backend (Datenbank, Geschäftslogik, Admin) fest miteinander verbunden. Änderungen am Design können Backend-Anpassungen erfordern und umgekehrt.
Bei Headless Commerce werden diese beiden Schichten entkoppelt. Das Backend stellt nur noch Daten über eine API bereit. Das Frontend kann völlig unabhängig entwickelt werden – als Website, Mobile App, Smart-TV-Interface oder was auch immer.
Vereinfachte Darstellung
Monolith (z.B. klassisches Shopify)
Frontend ↔ Backend fest verbunden
Änderungen betreffen oft beides
Headless
Frontend → API → Backend
Unabhängige Entwicklung möglich
Die Vorteile von Headless
Maximale Performance
Moderne Frontends mit Next.js, Nuxt oder Remix können als statische Seiten generiert werden. Ergebnis: Blitzschnelle Ladezeiten, besseres Core Web Vitals-Ranking.
Volle Design-Freiheit
Kein Template-System, das Grenzen setzt. Jede erdenkliche User Experience ist umsetzbar.
Multi-Channel Ready
Dieselbe API kann Website, Mobile App, Kiosk-Systeme, Sprachassistenten und mehr bedienen.
Best-of-Breed Architektur
Kombinieren Sie die besten Tools für jeden Bereich: CMS für Content, PIM für Produkte, Commerce-Backend für Bestellungen.
👥 Parallele Entwicklung
Frontend- und Backend-Teams können unabhängig arbeiten, was die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöht.
Die Nachteile von Headless
Höhere Initialkosten
Statt ein Template anzupassen, muss ein komplettes Frontend entwickelt werden. Faktor 2-3x teurer als Monolith-Setup.
Höhere Komplexität
Mehr bewegliche Teile bedeuten mehr potenzielle Fehlerquellen und höheren Wartungsaufwand.
Spezielles Know-how nötig
Sie brauchen Entwickler, die sowohl Frontend-Frameworks als auch API-Integrationen beherrschen.
Kein "alles aus einer Hand"
Marketing-Features, A/B-Testing, Analytics – vieles muss separat integriert werden.
Headless Optionen im Vergleich
| Lösung | Backend | Frontend | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Shopify Hydrogen | Shopify | React (Remix-basiert) | Shopify-Kunden mit Performance-Fokus |
| Commercetools | Commercetools | Beliebig | Enterprise (€50K+ Budget) |
| Medusa.js | Medusa (Open Source) | Next.js | Entwickler, die volle Kontrolle wollen |
| Saleor | Saleor (GraphQL) | Beliebig | Mittelstand, tech-affine Teams |
| Full Custom | Supabase/PostgreSQL | Next.js | Maximale Flexibilität, kein Vendor Lock-in |
Für wen lohnt sich Headless wirklich?
Headless macht Sinn bei:
- Umsatz €2M+, da sich Investition lohnt
- Performance ist Wettbewerbsvorteil
- Komplexe Multi-Channel-Strategie
- Langfristige Skalierung geplant
- Technisches Team vorhanden
Headless ist Overkill bei:
- Umsatz unter €500K/Jahr
- Standard-D2C-Shop ohne Besonderheiten
- Kein technisches Team
- Schneller Launch wichtiger als Perfektion
- Begrenztes Entwicklungsbudget
Composable Commerce: Die Evolution
Der neueste Trend geht noch einen Schritt weiter: Composable Commerce. Hier werden nicht nur Frontend und Backend getrennt, sondern jede Funktion wird als eigenständiger Service betrieben:
- Produktdaten: PIM-System (z.B. Akeneo, Pimcore)
- Content: Headless CMS (z.B. Sanity, Contentful)
- Suche: Algolia, Elasticsearch
- Checkout: Spezialisierte Lösung
- Zahlungen: Stripe, Adyen
Diese Architektur bietet maximale Flexibilität, erhöht aber auch die Komplexität erheblich. Für die meisten Shops ist ein Mittelweg sinnvoller.
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Martin Ogris
•Gründer & GeschäftsführerMartin Ogris ist Gründer von clickpuls und seit über 10 Jahren im E-Commerce tätig. Mit seinem Team unterstützt er Unternehmen dabei, ihre Online-Präsenz zu optimieren, Prozesse zu automatisieren und nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Seine Expertise umfasst Shop-Systeme wie Shopify und WooCommerce, strategische Beratung sowie die Integration moderner KI-Tools.